Robert Feicht (Dipl. Inf. (FH))

Robert Feicht

„Mein Interesse am Computer wurde am Gymnasium geweckt. Obwohl der „Schulcomputer“ der einzige Rechner an der ganzen Schule war, durften ein paar wenige an diesem Rechner programmieren. Das war in der 11. Klasse. Im Jahr darauf schaffte die Schule vier PCs an und meine Freunde und ich verbrachten dann viel Zeit an diesen Rechnern. Programmieren war eine neue, erfrischende Erfahrung und die Faszination für Rechner hält bis heute an. Ein Informatikstudium erschien da als der einzig logische Schritt nach diesen Erfahrungen an der Schule.
Nach dem Abitur habe ich daher zunächst ein Informatikstudium an der Technischen Universität München aufgenommen. Der doch sehr anonyme Betrieb an der TU hat mir nicht entsprochen, so dass ich nach ein paar Semestern an die FH gewechselt bin. Die geringere Anzahl an Studenten, der direkte Kontakt zu den Professoren und die deutlich anwendungsbezogenere Vermittlung der Lehrinhalte kamen mir sehr entgegen.



Zu der lustigen Frage, was ich unter Informatik verstehe, sage ich: Laut Wikipedia ist Informatik die Lehre der systematischen Informationsverarbeitung basierend auf mathematischen Methoden – für mich ist Informatik das Studium der Computerwissenschaften: Verständnis von Hardware, Treibern, Betriebssystem, Programmiersprachen und Algorithmen, idealerweise ergänzt um ein Anwendungsgebiet (Wirtschaft, Technik, Biologie,...)


Das Studium in München habe ich gewählt, weil ich am Tegernsee im Süden von München aufgewachsen bin. München bietet mehr als ein Studentenherz begehren kann – viele Studenten und die entsprechende (Sub-) Kultur, ein fantastisches Umland mit Seen, Bergen und die Nähe zu Italien. München ist in Deutschland der beste Platz zum Leben und Studieren.


Mein Highlight im Studium war die Nachricht, dass wir alle in meiner Lerngruppe die Prüfung in Prozessrechentechnik bestanden haben (verklausuliert übermittelt vom Professor auf einem Ausflug in die bayerischen Voralpen – Ross und Buchstein!). Und die Intensität und Intimität im Wahlfach Finite Elemente.
Der schwierigste Moment meiner Studienzeit war die Einsicht, dass ich an der TU falsch aufgehoben war – und dann die Energie aufzubringen, an der FH noch einmal anzufangen.
Ich habe mich beim Übergang vom Gymnasium (Mathe und Physik LK) zur Hochschule sehr schwer getan – vieles, was zu einem Studium an einer Hochschule notwendig ist wurde an der Schule nicht vermittelt: Die Fähigkeiten, sich selbstständig in ein Thema einzuarbeiten, eine Recherche durchzuführen, ein Thema zu präsentieren, eine Bibliothek zu nutzen und nicht zuletzt Selbstorganisation. Angeblich ist Wissen in der Informatik alle vier Jahre obsolet – die oben angesprochenen Fähigkeiten bleiben aktuell und wurden während des Studiums vermittelt (oder erwartet).
Stephen Fry sagt es in „The Hippoptamus“ viel besser als ich es kann: „Above all you must work. Nothing of any value that I’ve ever seen man achieve on this earth has ever been accomplished without work.“
Was ich damals im Studium nicht vermittelt bekam, war Präsentieren – vor kleinen und (sehr) großen Gruppen. Amerikaner beginnen das Präsentieren im Kindergarten und praktizieren es alle Schuljahre und Hochschuljahre hindurch intensiv. Es ist nicht immer die beste Idee, die sich durchsetzt, sondern häufig die am besten präsentierte.

Gern hätte ich in meiner Studienzeit noch das Fach Philosophie gehört :-)



Mein Praktikum habe ich bei Messerschmitt Bölkow Blohm (MBB), inzwischen aufgegangen in der EADS, immer noch in Ottobrunn im Münchner Süden, absolviert. Dort war meine erste Aufgabe ein FORTRAN Programm zu optimieren, dessen Ziel es war die Laufzeit zu halbieren.



Zurzeit bin ich Senior Program Manager bei Microsoft In Redmond, Washington.
Ich arbeite seit Beginn meiner Tägigkeit, seit mehr als 13 Jahren für Microsoft, zunächst für die deutsche Niederlassung in Unterschleißheim bei München, dann einige Jahre für Microsoft Europa und seit mehr als drei Jahren für Microsoft Corp.
Microsoft Services umfassen viele Tausend Mitarbeiter in Consulting und Support in über 90 Ländern. Seit ich in Redmond bin, habe ich schon den dritten Job – im ersten Jahr kam mir mein Informatik Studium wieder sehr zu gute: Ich war Projektleiter im operativen Geschäft fuer die Entwicklung einer Software-Plattform zum Verkauf von Support Services im Internet. Als nächstes habe ich einige Support Services entwickelt – Services, die Microsoft Unternehmenskunden für spezielle Support-Situationen zum Kauf anbietet. Seit einem guten Jahr schließlich verantworte ich das Prozess- und Tool-Portfolio für den Unternehmenskunden-Support – alle Prozesse und Tools die Services-Verkäufer, Support Engineers und Technical Account Manager benötigen, um Support an Microsofts Unternehmenskunden zu verkaufen und zu liefern. In diesem Feld habe ich viel mit Microsofts interner IT zu tun – und mit vielen Mitarbeitern in der ganzen Welt.
Das macht mir in meiner Arbeit auch am meisten Spaß. Der ständige Umgang mit Menschen aus aller Welt – mit ihren sehr verschiedenen Kulturen, Hintergründen, Persönlichkeiten. Die Gelegenheit, Softwareentwicklung hautnah mitzuerleben, sei es als interner Beta-Tester für die nächste Version von Office, Exchange oder Windows Mobile und die Chance, jeden Tag neu zu lernen.



Für meine weitere berufliche Zukunft habe ich keine bereits gefassten Vorstellungen oder Ziele. Das ist eine Frage mit der ich mich immer schon schwer getan habe – bisher hat sich meine nächste Rolle immer evolutionär ergeben. Vorstellen kann ich mir vieles – entweder die nächste Stufe an Verantwortung bei Microsoft Services oder eine Rolle in einer anderen Microsoft Sparte. Oder in einer der vielen anderen Firmen hier im Großraum Seattle – viele andere Hightech-Firmen sind hier präsent. Vielleicht möchte ich in 5 Jahren aber auch etwas ganz anderes machen, z.B. bei einem der vielen Not-for-Profits mithelfen.



Einem Studienanfänger gebe ich den Rat sich bei der Auswahl des Studiengangs folgendes zu fragen: Warum habe ich diesen Studiengang gewählt? Ist dieses Thema wirklich meine Leidenschaft – ist es das, womit ich mich für Jahre Tag um Tag beschäftigen möchte? Ist mir dieses Thema so wichtig, dass ich die widrigsten Nebenfächer (Statistik/Prozessrechentechnik/Buchführung/mein persönliches Nicht-Lieblingsfach) in Kauf nehme, nur um das Wunsch-Thema ausführlich studieren zu können? Wenn du dir nicht zu wenigstens 80% (und mehr erreichen nur Berufene!) sicher bist, dann beginne noch kein Studium. Mach ein Praktikum, eine Lehre, arbeite irgendwie in deinem angestrebten Fach und finde heraus, wo deine Leidenschaft ist.

Nach der Auswahl des Studiengangs: Ganz oder gar nicht. Du hast dich für deine Leidenschaft entschieden – arbeite dafür. Lässt Deine Energie nach mach lieber ein Semester ganz Pause als vier Semester nur halbwegs zu studieren. Prüfe Deine ursprüngliche Entscheidung für das Fach regelmäßig aber nicht zu oft – korrigiere deinen Kurs wenn nötig. Mache Auslandssemester, Praktika – wenn du es ermöglichen kannst – je breiter dein Horizont umso besser. Du wirst einen Kompromiss finden müssen zwischen Breite (wie viel soll ich lernen) und Länge (studieren kannst du lange, nicht notwendigerweise so lange wie ich).
Suche dir deine Freunde gut aus – neben den Dingen, auf die du sowieso achtest, sollten sie die gleichen (oder höhere!) Ziele im Studium verfolgen wie du. Ich hatte zwei Mitstreiter, ohne die ich es alleine nicht geschafft hätte. Du musst nicht alles alleine verstehen – drei bis fünf Freunde solltet ihr sein.



Einem Absolventen empfehle ich: Jetzt ist noch einmal Zeit, die Welt zu sehen – reise lange und ausführlich. Wo immer du auch hinkommst, suche auch Kontakt zu Menschen aus deinem Fach. Frage sie nach ihren Erfahrungen und ihrem Lebensweg."



Studium Diplom Informatik:
1985 – 1990 Studium der Informatik an der TU München
1990 – 1994 Studium der Informatik an der FH München

Thema der Diplomarbeit:
Microsoft Windows NT Advanced Server – Ein verteiltes Betriebssystem


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