Mein Weg nach dem Studium

Interview nach dem Studium Scientific Computing

Leif S., Abschlussjahr 2014


Dein Weg nach dem Bachelor Scientific Computing


Ich bin bei MLase, einer kleinen Laserfirma in Germering. Als ich den Job gesucht habe, war mir klar, dass ich irgendwas in die Informatik-Richtung machen möchte, vielleicht mit ein bisschen Mathe / Simulation dabei. Durch Zufall bin ich auf diese Firma gestoßen und arbeite inzwischen im Embedded-Bereich. Das hätte ich mir vom Studium her nicht träumen lassen, aber Java und die Mikrocontroller im Bachelor sind die beste Voraussetzung, um sich schnell einzuarbeiten. Ob ich danach noch einen Master mache, wird sich danach entscheiden, wie es von der Arbeitszeit her passt, also wenn dann, berufsbegleitend.


Was ist eine typische Aufgabe in deinem Arbeitsalltag?


Ich schreibe sehr viele Routinen und beschäftige mich mit Software-Sicherheit, ähnlich wie damals in Software-Engineering. Ich mache sehr viel, was Software-Entwicklung betrifft: Vorher überlegen, was muss gemacht werden, dann Sicherheits-Aspekte betrachten, also was kann passieren. Die ganzen Sicherheitsmaßnahmen dann implementieren. Beispielsweise schreibe ich den gleichen Programmcode zwei Mal, wenn der eine ausfällt, geht der andere. Ich habe ein Hardware-Gerät hinter der Software, sodass, wenn meine Software Probleme macht, die Hardware einschreitet. Außerdem ist in Planung, dass wir die Laser soweit voranbringen, dass wir vorher simulieren können, was passiert, wie es passiert und warum es passiert.


Was sollte ein potentieller Studienanfänger für Scientific Computing mitbringen?


Ich glaube, dass der Richtige auf jeden Fall mit Mathe vertraut sein sollte und Spaß dran haben sollte, aber auch gerne programmiert. Man sollte sich vorstellen können, an Software zu arbeiten. Vielleicht hat man ja auch schon gewisse Vorkenntnisse, die sind mit Sicherheit im Studium hilfreich.


Meine persönlichen Erfahrungen mit Scientific Computing


Ich hatte gerade in Java am Anfang riesen Probleme, durfte die Prüfung sogar wiederholen. Im zweiten Semester habe ich mich dann intensiv damit auseinander gesetzt und muss sagen, wenn man sich wirklich hinsetzt, kann man relativ schnell Fortschritte sehen und auch ein Erfolgserlebnis haben.
Auch wenn nur ein schöner Text auf der Kommandozeile steht. Man kann sich dann Stück für Stück entlang hangeln. Nachdem ich mich intensiv damit beschäftigt habe, kann ich sagen, dass ich es inzwischen ganz gut beherrsche und auch einen Job in die Java-Richtung gesucht habe.


Meine Meinung zum Auslandssemester


Ich würde generell sagen, dass ein Auslandssemester / Auslandsjahr immer förderlich ist, weil man so viel von der Kultur mitkriegt. Gerade so ein halbes Jahr Auslandssemester ist so schnell vorbei, dass es sich nicht lohnt, sich darüber vorher Stress zu machen. Obwohl ich nicht gerade der Einser-Student war, habe ich ein Stipendium für das komplette halbe Jahr bekommen. Damit ging es mir finanziell gesehen in dem halben Jahr besser als im gesamten Studium.


Über meine Abschlussarbeit


Ich war bei Siemens in der Verkehrstechnik, dort habe ich während des Praxissemesters bereits ein Programm zur Visualisierung von Verkehrsdaten geschrieben. Um auswerten zu können, wann an einer Kreuzung Autos ankommen, wie lange sie dort stehen, wie baut sich eine Warteschlange auf, wie baut sie sich wieder ab. Bereits damals habe ich Simulationen durchgeführt, um herauszufinden, wie man das verbessern kann, sodass sich diese Warteschlange erst gar nicht aufbauen. In der Bachelorarbeit habe ich dann auf ein Spezialthema bezüglich Abbiegeratenschätzung gewechselt. Sprich, ich habe ein Verfahren in Matlab implementiert, das aufgrund von Werten hinter der Kreuzung geschätzt hat, woher die Fahrzeuge kamen. Ich habe hinter der Kreuzung gemessen, wann ein Auto kommt und habe dann betrachtet, wo Grün war, wie lange die Autos brauchen für die Kreuzung brauchen, woher könnten sie gekommen sein. Daraus habe ich Rückschlüsse gezogen, wie viele Autos von welcher Richtung kamen. Die Detektoren in der Straße sind extrem teuer und sehr störanfällig. Das heißt, wenn man aus den Daten von nur einem Sensor in der Straße hinter der Kreuzung, schließen kann, wo die Autos herkommen, spart das eine Menge Geld. Das Verfahren wird sogar momentan in der Verkehrstechnik bei Siemens eingesetzt.
Siemens ist einer der größten Anlagenbauer von Lichtsignalanlagen, also Ampeln, und natürlich sind die potentiellen Kunden, also beispielsweise verschiedene Städte, daran interessiert , dass der Verkehr möglichst gut durch die Stadt fließt. Die wollen, dass so viele Autos wie möglich die Strecke zum Berufsverkehr fahren können, ohne dass ein Stau entsteht. Siemens kann dann aufgrund der Schätzungen und Vorhersagen die Ampeln steuern.


Wünsche und Erwartungen vor und nach dem Studium


Vorher habe ich erwartet, dass es viel mehr in die theoretische Mathematik reingeht, die mir nicht so liegen würde. Ich habe aber dann relativ schnell festgestellt, dass es sehr angewandt ist und man sich immer gut etwas darunter vorstellen konnte. Deshalb habe ich mich entschieden, nicht zu Informatik zu wechseln, sondern bei Scientific Computing zu bleiben.