Mein Weg nach dem Studium

Interview nach dem Studium Scientific Computing

Julia H., Abschlussjahr 2014


Mein Weg nach dem Bachelor Scientific Computing


Wahrscheinlich mach ich ein Trainee-Programm, aber wenn ein Direkteinstieg möglich ist, vielleicht auch das. Wobei ich glaube, dass ein Trainee besser ist, weil man dann mehr sieht von der Firma. Momentan gibt es viele Traineestellen im Versicherungs- und Bankenwesen, aber ich bin da noch offen.


Tipps an potentielle Studienanfänger / Wann ist Scientific Computing das Richtige für mich?


Man sollte auf jeden Fall Mathematik mögen und auch vor Informatik keine Angst haben. Auch wenn man dazu jetzt vielleicht in der Schule noch nicht so viel gemacht hat. Mit Liebe zur Mathematik ist man hier schon mal ganz gut aufgehoben. Man sollte auch ein großes Arbeitspensum bewältigen können.


Wünsche und Erwartungen vor und nach dem Studium


Die Mathematik ist im Studium nicht so wie in der Schule. Also die Kurvendiskussion, die in der Abschlussprüfung bei mir ganz groß war, die gab es hier eigentlich gar nicht. Es geht um ganz andere Themen, also beispielsweise Matrizenrechnung hat sich mehr durchgezogen. Man sollte es nicht unbedingt mit der Schulmathematik gleichsetzen. In der FOS hat ein Mitschüler, der schon in seiner Freizeit programmiert hat, mal eine Stunde gehalten und eine for-Schleife und eine if-Abfrage vorgestellt. Das waren meine Vorkenntnisse in Informatik. Am Anfang war es schwierig, da bin erstmal ein bisschen gestrauchelt. Mit der Zeit ging das aber auch, also wenn es mal ’klick’ gemacht hat und man verstanden hat, worum es geht und wie man das ungefähr umsetzen könnte. Dann ist auch eine neue Sprache nicht so schwierig.


Über mein Praxissemester


Mein Praxissemester war in der Industrie bei einem Druckerunternehmen. Ich sollte für Drucker die Tintenfüllstände zu simulieren, weil die verschiedenen Komponenten zusammengeschüttet werden und da muss immer ein bestimmtes Verhältnis bestehen. Je nach Druckart wird unterschiedlich viel entnommen, also wenn man eine ganze Seite schwarz drucken will, dann wird mehr Farbe entnommen. Das zu simulieren, wie sich der Füllstand ändert und wie die Nachregelung sein sollte, war die Aufgabe. Dabei habe ich viel mit Matlab und Simulink gearbeitet, das ich davor schon an der Hochschule kennengelernt habe. Dadurch ist mir der Einstieg in dem Bereich etwas leichter gefallen. Die technische Anwendung, die dahinter stand, das war natürlich dann neu.


Über mein Auslandssemester


Das Auslandssemester war ein gute Erfahrung, ich war in Hong Kong. Es war interessant, eine ganz andere Kultur kennenzulernen. Das Studium war ganz anders, dort gilt, ’was der Professor sagt, wird nicht in Frage gestellt'. An der Hochschule München, in unserer kleinen Gruppe, da kann man Fragen stellen und dann taucht auch mal ein Fehler auf und man korrigiert den Professor. Das war dort nicht so, erst nach der Vorlesung haben die Studenten den Professor darauf angesprochen, dann wurde das nur im kleinen Rahmen geklärt, aber nie vor allen Studenten. Es hat einen kulturellen Hintergrund, dass die das so machen, das hat dort etwas mit Respekt zu tun. Auch das Campusleben haben wir mitgemacht, man hat dort nicht nur deas Studium gemeinsam, sondern man sieht sich auch außerhalb von der Uni mehr. Wir gehen zusammen mittags was essen, wir gehen zusammen abends was essen und hier was zusammen, gehen zusammen schwimmen, weil eben alles vor Ort war. Wir haben auf dem Campus gewohnt in den Studentenwohnheimen, was dann relativ günstig war, ich glaube 600 Euro für das ganze Semester. Direkt von der Hochschule gab es keine finanzielle Unterstützung, aber man kann sich auf ein Stipendium bewerben. Wir mussten auch keine Studiengebühren zahlen, weil es eine Partneruni der Hochschule München ist. Man sollte keine Angst vor dem Auslandssemester haben, weil es ist eigentlich eine gute Zeit.


Meine persönlichen Erfahrungen mit Scientific Computing


Schön war die kleine Gruppe, weil man den Professor gut fragen kann. Es sind nicht 200 Studenten in einem Raum und man denkt sich ’ich hätte da noch eine Frage’. Auch wenn die Frage wahrscheinlich mehrere haben, fällt es einem schwerer das vor einer größeren Gruppe zu sagen. Am Ende, in den einzelnen Mathe-Vorlesungen waren wir meist zu sechst oder zu siebt, das war dann schon ein bisschen privater.