Einleitung

Dieser Bericht ist an mehrere Zielgruppen gerichtet. Einerseits natürlich an zukünftige Austauschstudenten, die ihm hoffentlich sinnvolle Tipps für ihren eigenen Aufenthalt in Vancouver oder generell in Kanada entnehmen können. Andererseits aber auch an die Verantwortlichen für den Austausch, die hierdurch wichtiges Feedback über den Verlauf des Austauschs erhalten. Ganz generell geht dieser Bericht an alle, die diesen Austausch nicht nur als Auslandserfahrung für den Studenten sehen, sondern auch als Chance für die teilnehmenden Institute andere Lehr- und Lernmethoden kennen zu lernen und vielleicht selber zu praktizieren.

Vancouver

Vancouver ist eine wunderbare Stadt. Sie liegt landschaftlich wunderschön gelegen eingeschlossen vom Pazifik im Westen, Bergen im Norden und genügend Freiraum in südöstlicher Richtung. Die Naturverbundenheit führt zu einer ganz eigenen Mentalität besonders bei den kanadischen Bewohnern. Stress ist ihnen fremd, stattdessen streben sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit an. Die Uferpromenade ist bevölkert von Läufern, am Strand spielen Leute Beachvolleyball und in einem entlegeneren Winkel befindet sich Wreck Beach, der wahrscheinlich einzige inoffizielle Nacktstrand Kanadas.

Nicht missen sollte man in meinen Augen, Wanderungen an der Nordküste zu unternehmen. Ein Auto gibt einem hier viel zusätzlichen Freiraum auch in näher gelegene Parks und vielleicht sogar in die Rocky Mountains zu fahren. Aber auch das Nachtleben hat seine Reize, wenn es sich auch abgesehen von einigen Clubs auf wenige Straßen in der Innenstadt beschränkt.

Multikulti

Kanada ist ein junges und daher ein Einwandererland, der "echte" Kanadier ist nur schwer zu finden. Viele denen man begegnet und denen man sagt, dass man aus Deutschland kommt, antworten mit "ich bin auch Deutscher". Näher nachgefragt ergibt sich dann, dass die Großmutter oder vielleicht gar die Urgrossmutter aus Deutschland stammte, der Gesprächspartner auch noch Verwandte in Deutschland hat aber kein Wort Deutsch spricht. Manche ältere Menschen packen dann aber vielleicht auch ihr schönstes Alpendeutsch aus und erzählen von alten Zeiten und was sie nach Kanada getrieben hat.

Beeindruckender als die deutschstämmigen Einwanderer sind aber die vielen anderen Kulturen die man hier antrifft. Vancouver hat eine der größten Chinatowns der westlichen Welt. Alle asiatischen Kulturen sind stark vertreten. Man trifft Koreaner, Chinesen, Taiwaner, Japaner und Inder (kein Anspruch auf Vollständigkeit) mit unterschiedlichsten Religionen und Bräuchen. Es gibt unglaublich viele verschiedene Kirchen und unglaublich viel Unbekanntes und Fremdes.

Um die Zeit hier genießen zu können muss man interessiert und offen für diese Kulturen sein. Bei internationalen Treffen im College ist es die Regel, dass europäisch stämmige Studenten (Kanadier also mitgerechnet) in der absoluten Minderheit sind (unter 10%). Kaum jemand drängt einem aber seine Kultur auf oder fragt einen ungebührlich aus, es herrscht eine angenehm einfache Toleranz.

Surrey

Der für IT relevante Campus des Kwantlen Colleges befindet sich in Surrey. Dies ist ein eher langweiliger Vorort, der bevorzugt von Indern bewohnt wird. Will man weiter Richtung Innenstadt wohnen artet dies schnell in viel Fahrerei aus. Das College ist nicht besonders günstig mit der Skytrain und zwei Bussen zu erreichen. Fahrradfahren ist als Fortbewegungsmittel in dieser Gegend eher unüblich. Hier muss man abwägen zwischen der Gelegenheit, schnell in die Stadt und in den Norden Vancouvers zu kommen, oder nah am College und eventuellen Bekanntschaften zu wohnen. Ein Auto kann hier einen Gedanken wert sein.

Lehre

In unserem deutschen System kann man sagen, dass Fachhochschulen tendenziell ein wenig mehr einem schulischen Prinzip ähneln als Universitäten. Kleine Gruppengrößen, relativ fix vorgegebener Stundenplan und Noten Sammeln nach jedem Semester. Die Lehre im Kwantlen University College erinnert noch mehr an Schule. Besonders fallen hier der Umgang mit den Lehrkräften sowie die Unterrichtsform auf.

Studenten-Dozenten Verhältnis

Ein kleiner Unterschied beeinflusst das Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten dramatisch: Es gibt kein „Sie“ (Surprise!). Simon Whitlow, Dozent für Data Communication, stellte sich daher wie folgt vor: “My name is Simon Whitlow. You can call me Mr. Whitlow, or Professor Whitlow, or just Simon...” In der Regel ist es üblich, Dozenten beim Vornamen zu nennen (ja, das braucht eine kleine Weile zum eingewöhnen). Dies resultiert in einem völlig unkomplizierten und ungezwungenen Verhältnis, das unter Umständen sehr produktiv für beide Seiten ist. Es fällt sehr leicht, Fragen zu stellen und Vorschläge zu machen. Dabei mangelt es jedoch nicht an Respekt seitens der Studenten.

Die Dozenten sind allgemein hoch motiviert und von ihren Themen begeistert. Sie versuchen den Studenten wirklich etwas beizubringen und niemanden auf der Strecke zu lassen. Häufig wird in die Runde gefragt, ob alle ein Thema verstanden haben. Durch häufige Lernkontrollen in Form von Quizzes erhalten die Dozenten wichtiges Feedback über den Lernfortschritt der Studenten. Oft wird dann auch eine Wiederholung eingeschoben, um wichtige Themen zu festigen.

Interaktiver Unterricht

Der Unterricht ist stark um Aktivitäten herum aufgebaut. In jedem Kurs werden Teamarbeiten und Praktika veranstaltet. Teilweise finden bereits die Vorlesungen in dafür vorgesehenen Computerräumen statt. Die Arbeitsplätze sind Richtung Dozent gerichtet, so dass ein gemeinsames Arbeiten möglich ist. Die dauernde Verfügbarkeit des PCs sorgt auch zusätzlich für Ruhe: Wer sich langweilt surft einfach eine Weile im Internet. Kommunikation unter den Studenten erfolgt geräuschlos mit Hilfe von Instant Messengern. Die Dozenten können zwar die PCs der Studenten überwachen, tun dies jedoch in der Regel nicht während des Unterrichts. Ob dies über die zusätzliche Ruhe hinaus allerdings dem Lernen förderlich ist bleibt entsprechenden Studien überlassen.

Der aktive Unterricht kommt in der Regel gut an. Er hilft, sich selber oder vor allem im Team Inhalte zu erarbeiten und beugt auch Langeweile vor. Schlafende Studenten gibt es hier selten zu beobachten. Frühzeitige Übung im Präsentieren von Lösungen trainiert nebenher wichtige Schlüsselqualifikationen.

Learning Center

Unterstützend gibt es ein Learning Center. Hier stehen aktive und fertige Studenten zur Verfügung, um individuelle Nachhilfe zu geben. Die Studenten werden dafür vom College entschädigt. Hilfesuchende können Termine für unterschiedlichste Fächer von Mathematik bis Informatik buchen. Zusätzlich veranstaltet das Center freie Kurse zu verschiedenen allgemeinen Themen und Schlüsselqualifikationen, wie Prüfungsangst, richtiges Präsentieren oder Verfassen von Arbeiten.

Studiengebühren

Wenn wir als Austauschstudenten nach Kwantlen kommen befinden wir uns in einer beneidenswerten Situation: Wir zahlen nichts! Wir bekommen sogar noch einen finanziellen Zuschuss! Das sollte man fast geheim halten, für die Mitstudenten ist dies kaum vorstellbar.

Ich habe Studenten kennen gelernt, die bis zum 4. Semester schon $8000 nur an Studiengebühren ausgegeben hatten. Eine Chinesin kam von der Zahlstelle und hatte gerade $4000 für ein Semester hingelegt! Bezahlt wird in der Regel pro teilzunehmenden Kurs (genauer gesagt pro Credit) im Voraus. Bis zu einem bestimmten Termin kann der Student den Kurs "droppen" und dabei einen Grossteil des Geldes zurückerstattet bekommen. Nach diesem Termin ist das Geld endgültig weg. Auswärtige Studenten bezahlen höhere Gebühren.

Das ist aber noch nicht alles: Auch für die Bücher wird ordentlich Geld hingelegt. Am Anfang des Semesters erhält der Student eine automatisch generierte Liste mit Büchern die er für seine Kurse benötigt. In der Regel setzen die Dozenten diese Bücher voraus, die Kursinhalte sind stark darauf ausgerichtet, dass die Teilnehmer kursbegleitend Kapitel in der Literatur lesen. Für meine Bücher habe ich über 300 Eur bezahlt. Dazu kommen natürlich noch der normale Schreibbedarf und diverse "Kleinkosten" wie zum Beispiel Parkplatzgebühren.

Diese Kosten haben mehrere Folgen. Zuerst teilt sich die Studentenschaft in solche, die Ihre Ausgaben von ihren Eltern gesponsert bekommen (haben sich mir keine direkt zu erkennen gegeben) und solche, die für ihr Studium arbeiten gehen. In Abendkursen sitzen oft hoch motivierte, teils auch ältere Studenten, die tagsüber einem Vollzeitberuf nachgehen und sich abends fortbilden wollen. Viele der meist sehr jungen Studenten in den sonstigen Kursen sind dagegen nur mäßig motiviert.

Die Gebühren ermöglichen allerdings auch verschiedene unterstützende Einrichtungen. Da wären vor allem das Learning Center und das Language Buddy Program zu nennen, aber auch ein attraktives Sportangebot und eine offensichtlich gut finanzierte Studentenvertretung.

Wirtschaft

Die Verquickung mit wirtschaftlichen Organisationen ist wesentlich drastischer als bei uns. In meinem Kurs Data Communications wurde studienbegleitend ein Cisco-Zertifikat erarbeitet. Ein Viertel der Endnote machte dann auch das Ergebnis in den Cisco-Tests aus. Merkwürdigerweise waren reguläre Vorlesung und Cisco-Lehrgang nur beschränkt aufeinander abgestimmt. Zwar stimmte der Kursinhalt fast mit dem Cisco Level I überein, kursbegleitend wurde jedoch bereits Cisco Level II durchgeführt.

Die Verzahnung mit der Wirtschaft ist eine Chance für Studenten, frühzeitig Zusatzqualifikationen und Zertifikate zu erhalten. Das angeeignete Wissen ist allerdings teilweise sehr speziell und schwört den Studenten schon frühzeitig auf einen Anbieter ein. Darüber hinaus ist der Nutzen des Zertifikats zweifelhaft, da man davon ausgehen sollte, dass der Student das für das Zertifikat nötige Wissen auf einem allgemeinen Level auch im normalen Studieninhalt abgedeckt haben sollte.

Meine Kurse

Prinzipiell dürfen wir als Internationale Studenten maximal 5 Kurse belegen. Das reicht dann aber auch! In den Kursen finden laufende Lernkontrollen statt, sowohl durch Projekte als auch durch Quizzes (kurze Tests, meist unangekündigt). Daher hat man genug zu tun. Die Dozenten geben meist an, dass für 2 Stunden Vorlesung 2 Stunden persönlicher Arbeitsaufwand dazukommt, einer sprach aber auch von insgesamt 8 Stunden pro Woche...

Im Folgenden eine Aufstellung meiner belegten Kurse, wer gezielte Fragen zu einem dieser Kurse hat darf gern auf mich zurückkommen:

Kursniveau

Das Niveau der Kurse ist einfacher als bei unseren Kursen, zumindest im Hinblick auf die technischen Inhalte. Mein subjektiver Eindruck war, dass die Studenten nicht so gut sind wie bei uns. Durch die strikt durchgeführte absolute Benotung ist jedoch das relative Verhältnis zu anderen Studenten nicht relevant. Die meisten Prüfungen können mit Fleiß, meist Auswendiglernen, sehr gut bestanden werden. Sie bestehen ganz oder zu einem entscheidenden Teil aus Multiple Choice Fragen. Übrige Fragen sind meist mit einer kurzen Antwort oder einer kleinen Skizze zu lösen. Beides führt nicht unbedingt zu leichteren Prüfungen, gut gestellte Multiple Choice Fragen können einen auch ins Schwitzen bringen. Der Anteil von Mathematik ist verschwindend gering.

Sprache

Bedingt dadurch, dass an Kwantlen sehr viele Einwanderer studieren, sind mangelnde Englischkenntnisse ein großes Problem. Viele Studenten können anfangs nur schlecht oder gar kein Englisch. Selbst solche, die schon seit mehreren Jahren auf eine kanadische Highschool gegangen sind, können oft kaum eine englische Konversation betreiben, da sie an der Highschool immer nur mit ihren Landesgenossen zusammenhingen und für den schulischen Erfolg offenbar wenig mündliche Kenntnisse nötig sind.

Daher müssen Studenten in Kwantlen ein Englischzertifikat vorweisen, um uneingeschränkt studieren zu können. Ein solches Zertifikat kann auch über das college-eigene Englischprogramm ELST erworben werden. Dies ist sozusagen ein Vorkurs für die richtigen universitären Kurse, für den aber bereits normale Studiengebühren berechnet werden. Das Kursprogramm ist durchaus auslastend und stundenplanfüllend. In der Endphase darf man erst ein und dann im letzten Semester zwei normale universitäre Kurse belegen. Über den Fortschritt in die nächst höhere Stufe wird an hand der Ergebnisse individuell entschieden.

Mit einem durchschnittlichen Gymnasialenglisch ist man bei dieser Konkurrenz bereits sehr gut ausgestattet. Wichtig sind insbesondere Lese und Verstehfertigkeiten. Für die Projekte und sonstigen Arbeiten sollte man natürlich auch halbwegs taugliche Texte produzieren können. Obwohl ich außer meiner Zeit am Gymnasium, unserem "Englischkurs" im ersten Semester und natürlich laufender Lektüre englischer Fachliteratur und Romane kaum Spracherfahrung mitbrachte, hatte ich keine Probleme den Vorlesungen zu folgen. Beim Verfassen von Texten hatte ich auch wenig Probleme und habe eher noch Texte meiner Projektpartner korrigieren müssen ;-) Bedenken sind daher unangebracht.

Sinn macht es aber in meinen Augen dennoch, einen Englischkurs zu belegen. Einerseits weil die Erweiterung der Englischkenntnisse nun einmal mit ein wichtiger Grund für den Auslandsaufenthalt ist und andererseits, weil es eine sehr gute Gelegenheit darstellt, viele Studenten verschiedenster Kulturen kennen zu lernen.

Um einen Kurs aus dem ELST zu belegen muss man zuerst einen Einstufungstest durchlaufen, der in der Regel eine Woche vor dem regulären Studienbeginn abgehalten wird. Er besteht aus einem extrem leichten kassettengeführten schriftlichen Test und einem Interview. Danach erhält man eine Empfehlung, welche Kurse man belegen sollte, wobei es leicht möglich ist, dass man "zu gut" ist und kein geeigneter Kurs angeboten wird.

Ich habe den Kurs "English Pronunciation" belegt und hatte dabei einen riesigen Spaß. Es ist eine tolle Gelegenheit, die Sprache mit Gleichgesinnten zu trainieren. Wie üblich werden viele Aktivitäten im Unterricht abgehalten so dass man leicht neue Leute kennen lernt. Und es gibt genügend Details an der Sprache, die immer verbessert werden können. Gerade in meinem Kurs gab es genug Gelegenheit, persönliches Feedback von der Dozentin zu erhalten, so dass auch das Niveau der Gruppe keine große Rolle spielte.

Language Buddy Program

Eine tolle Einrichtung ist das Language Buddy Program. Ist es in erster Linie dazu gedacht, internationale Studenten mit kanadischen zum Zwecke des kulturellen und sprachlichen Austauschs zusammenzuführen, so ist es auch einfach eine gute Gelegenheit, am organisierten Programm und den Veranstaltungen teilzunehmen. Ich wurde ungezwungen mit einem sehr netten kanadischen Studenten in Verbindung gebracht, der auch daran interessiert war, Deutsch zu lernen. Halloween Party und Ausflüge rundeten das Programm ab. Auch die Organisation der Homestays ist eine Obliegenheit des LBP.

Tipps für Zukünftige

Visum

Eigentlich benötigt man bei einem Aufenthalt bis zu sechs Monaten in Kanada kein Visum. Ein Studentenvisum hilft dennoch bei der Einreise, indem es vor lästigen Fragen schützt, und lässt sich leicht mit einer Arbeitserlaubnis von Vancouver aus aufwerten. So kann man unter Umständen auch noch ein Praktikum anhängen. Man kann dies auch später noch unter einigen Problemen nachholen, indem man nach Seattle geht und von außerhalb Kanadas das Visum nachträglich beantragt.

Homestay

Bei einer Familie zu Hause zu wohnen ist generell eine gute Idee. Leider ist es ein wenig wie Roulette spielen: Manche Gasteltern sind extrem nett, sehen den Studenten als Chance etwas über eine andere Kultur zu erfahren und tun alles um einem den Aufenthalt leicht zu machen. Andere sehen die Studenten als Einnahmequelle, nehmen teilweise bis zu fünf Studenten auf und kümmern sich kaum um diese. Andere wiederum lassen ihre Gäste Haus und Kinder hüten oder setzen sie zum Abspülen ein.

Will man diesem Glücksspiel entgehen ist es in Vancouver generell nicht schwer, eine anderweitige Unterkunft zu finden. Andererseits entgeht einem dann auch diese unschätzbare Erfahrung und die Sprache eignet man sich in einer Familie definitiv schneller an. Daher bleibt als letzte Empfehlung, sich umgehend beim Homestay Program zu beschweren, wenn man Probleme mit der Familie hat. Meist lässt sich ein Umzug arrangieren.

Praktikum

Sehr interessant ist der Aspekt, an das Semester noch ein Praktikum (Co-op) anzuhängen. Voraussetzung dazu ist einzig die Teilnahme an dem Kurs COOP1101. In diesem Kurs wird man auf den Bewerbungsprozess vorbereitet. Konkret wird die persönliche Bewerbung zusammen mit dem Dozenten optimiert. Dabei versucht der Dozent so viel wie möglich über den Studenten zu erfahren. Dann organisiert der Dozent entsprechende Firmenkontakte und Angebote.

Normalerweise muss man auch für das Praktikumssemester Studiengebühren bezahlen, wir als Austauschstudenten können jedoch kostenlos daran teilnehmen! Die Praktika werden von den Firmen gut bezahlt, so dass man davon ausgehen kann, die Kosten des Aufenthalts leicht zu decken.

Leider handelt es sich bei den angebotenen Jobs meist um Arbeiten an Support-Telefonen („Helpdesk“) und manchmal Tätigkeiten im Bereich Systemadministration. Allzu viel darf man sich hier also nicht erwarten. Mit der entsprechenden Initiative kann man aber auch einen eigenen Job ausfindig machen.

Steuern (GST)

Rechnungen sollte man unbedingt aufheben, unter Umständen kann man die bezahlte GST (eine Art Mehrwertsteuer) bei Verlassen des Landes zurückerstattet bekommen. Die Steuer erhält man allerdings nur für Waren die außer Landes gebracht werden und für einige andere Ausgaben wir Hotelübernachtungen. Weitere Informationen findet man zu den Stichworten „Tax Refund“ und „GST“ im Internet, die notwendigen Formulare und Stempel erhält man bei der Abreise am Flughafen.

Auto

Es ist nicht schwer, ein Auto in Kanada zu kaufen und anzumelden. In Vancouver verteuert die hier geltende Abgasnorm zwar die Anschaffung, aber dennoch kann man für 700 CAD ein fahrtüchtiges Auto erwerben. Einen TÜV gibt es nicht. Die Zulassung erfolgt über die Versicherung. Um das Auto versichern zu können benötigt man in manchen Versicherungsbüros eine Geburtsurkunde. Die Versicherung ist nicht besonders teuer und wird zeitnah abgerechnet. Benzin kostet ungefähr nur halb so viel wie in Deutschland. Mit einem fahrtüchtigen Auto hat man gute Chancen, auch die Anschaffungskosten bei einem Verkauf wieder hereinzuholen. Ein fahruntüchtiges kann man dagegen leider nur noch verschrotten oder am besten einer Organisation stiften. Gerade wenn man auch Exkursionen in die Umgebung und noch einen kleinen Urlaub vorher oder nachher machen möchte, lohnt sich die Anschaffung sicherlich.

Anreisetermin

Man sollte mindestens eine Woche vorher anreisen. Am Donnerstag und Freitag vor Vorlesungsbeginn wurden überraschend Orientierungstage für internationale Studenten abgehalten. Zwar ist ein großer Teil der Informationen für uns als Exchange-Studenten uninteressant, dennoch sollte man die Zeit für erste Kontaktknüpfung nutzen. Auch die ELST-Tests finden in dieser Woche statt. Die übrigen Tage kann man für eine touristische Erkundung Vancouvers nutzen.

Büromaterial

Da sollte man nichts mitnehmen, da die hier natürlich ein ganz anderes Format verwenden. Blätter sind anders gelocht und passen daher nicht in unsere Ordner. Ich habe gut daran getan, mich erst hier auszustatten. Und nicht verzweifeln: Es gibt auch karierte Blöcke, man muss nur lange genug danach suchen.

Textbooks

Ein nicht unbeträchtliches Geld geht für studienbegleitende „Textbooks“ drauf. Vergleichen lohnt sich in Kanada: Verwöhnt von der Buchpreisbindung in Deutschland habe ich Bücher im teils teueren Bookstore des Colleges gekauft, die es sogar bei Amazon günstiger gegeben hätte. Früh dran sein lohnt sich ebenfalls, dann bietet der Bookstore nämlich noch gebrauchte Bücher vom vorherigen Semester günstiger an. So kann man seine eigenen Bücher auch wieder loswerden, indem man sie am Ende des Semesters an den Bookstore zurück verkauft. Achtung: diese Möglichkeit besteht nur für einen begrenzten Zeitraum.

Es ist auch eine Bibliothek vorhanden, diese hält aber keine Textbooks vorrätig. Am besten ist es sicherlich, so schnell wie möglich Leute aus den Kursen nach gebrauchten Büchern von privat zu fragen.

Urlaub

Als Tipp noch ein paar Highlights falls man Gelegenheit und Zeit hat, noch etwas Urlaub in den Auslandsaufenthalt einzubauen. Im Sommer und Herbst sind der Sea-to-sky-Highway und die Rocky Mountains eine wunderbare Tour wert. Am besten mit Zelt auf den weiträumigen Campgrounds. Im Winter sollte man unbedingt eines der großen Skigebiete probieren, Schnee und menschenleere Pisten sind einzigartig. Eine mehrtägige Husky-Tour durch den stillen Winter ist ein Erlebnis, dass man so schnell nicht mehr vergisst. Bei entsprechender Planung kann man auch noch einen Zwischenstopp an der Ostküste einlegen, zum Beispiel Washington, Toronto oder New York.

Kontakte

Lisa <homestay@kwantlen.ca>

Lisa ist zuständig für das Language Buddy Program (LBP) und damit auch für die Organisation der Homestays und der sonstigen Aktivitäten des LBP.

Susan <Susan.Allan@kwantlen.ca>

Susan ist im International Office für die Exchange Studenten verantwortlich. Damit ist sie Ansprechpartner für alle organisatorischen Dinge wie auch Visumsfragen und kann auch helfen, wenn es sonst Probleme gibt.

Shawn <Shawn.Erickson@kwantlen.ca>

Shawn ist zuständig für die Organisation der Co-ops in der IT. Er hält die Einfühungskurse, korrigiert die Lebensläufe und unterhält die Kontakte zur Wirtschaft.

Links

www.ratemyprofessors.ca

Diese Seite ist eine gute Hilfe um sich vorab von seinen Dozenten ein Bild zu machen und dementsprechend unter Umständen eine Kursauswahl zu treffen. Viele Einträge sind natürlich sehr subjektiv, Vorsicht daher vor schnellen Vorurteilen!

www.map24.ca

Die geniale Karte deutschen Ursprungs gibt es seit letztem Jahr auch für andere Länder. Sowohl statisch als auch mit sehr gutem Java Applet. Die einfache Adress-Suche hilft bei der Suche der zukünftigen Unterkunft.

Dank

Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die mir diese unschätzbare Erfahrung ermöglicht haben: Herr Köhler für die Organisation, dem Gremium der FH München für die Auswahl, Susan in Kwantlen für die kompetente Beratung vor Ort, der EU für die Finanzierung, meinem Onkel Jörg, ohne den ich nie nach Kanada gekommen wäre, meiner Freundin Irene für Ihre fortwährende Unterstützung.